Anna Chlebowski
Dies ist die Registrierkarte von Anna, die von der Jüdischen Raad in Amsterdam erstellt wurde. Das Kartothek der Jüdischen Raad in Amsterdam bestand aus fast 160.000 Personenkarten.
Diese Karten enthalten persönliche Informationen über jüdische Einwohner der Niederlande und Ausländer, die während der Besatzung in den Niederlanden lebten.
Die Karten entstanden als administratives Instrument während der Judenverfolgung und wurden nach dem Krieg verwendet, um festzustellen, was mit jeder Person im Zweiten Weltkrieg geschehen ist.
Was steht auf Annas Karte?

Links oben ihr Namen: Anna Henny Sara Chlebowski, wobei Sara rot durchgestrichen ist. Die Deutschen fügten jüdischen Frauen den Namen
Sara und jüdischen Männern den Namen
Israel
als eine Form der
Diskriminierung und Ausgrenzung hinzu. Das Ziel war es, jüdische Menschen eindeutig von nicht-jüdischen Menschen zu unterscheiden und sie dauerhaft zu stigmatisieren.
Nach dem Krieg wurde der Name durchgestrichen.
Die Deurloostraat 80 ist durchgestrichen, ihre neue Adresse ab dem 1. Dezember 1942: Tugelaweg 67, 2. Etage. Wie aus der Registrierkarte des Amsterdamer Archivs hervorgeht
(Siehe die Archivkarte von Amsterdam am Ende der Seite), ist Anna
mehrfach umgezogen. Interessant ist der Umzug nach Schermerhorn am 30. September 1941, zwei Monate nachdem das Werkdorp von den Deutschen endgültig geschlossen wurde. Nel und Wouter Leegwater
nahmen sie auf, sie hatten vermutlich Kontakt mit einem illegalen Netzwerk (1). Der Umzug zur Plantage Franschelaan (heute Henri Polaklaan) hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass alle Juden
aus Nord- und Südholland verpflichtet waren, nach Amsterdam zu evakuieren. Diese Wohnungen wurden von der Jüdischen Raad gemietet, um Flüchtlinge unterzubringen. Warum sie in die Deurloostraat zog,
weiß ich nicht, vielleicht auf Anraten der Jüdischen Raad? Schließlich wurde sie zusammen mit Gerhard in Tugelaweg 67 eingetragen, hier wohnten sie, zumindest auf dem Papier, bis zu ihrer Flucht
nach Frankreich. Am 3. November 1944 wurde festgestellt, dass Anna hier nicht mehr wohnt VOW (vertrokken onbekend waarheen); unbekannt verzogen.
In meinem Buch beschreibe ich, dass Anna im Juli 1942 für die Jüdische Raad zu arbeiten begann. Das habe ich aus der Notiz geschlossen: Näherin und soziale Helferin Ost 16. Juli 1942. "Soziale Helferin Ost" könnte bedeuten, dass sie in den östlichen Stadtteilen von Amsterdam arbeitete, wo sie soziale Hilfe für die jüdische Gemeinde leistete. Die folgende Notiz ist von entscheidender Bedeutung: „Gesperrt wegen: Funktion.“
Ein "Sperre" war eine temporäre Befreiung von der Deportation für jüdische Menschen während des Zweiten Weltkriegs. Diese Befreiung wurde mit einem speziellen Stempel, dem sogenannten "Sperr-Stempel", auf dem Personalausweis angegeben. Die Befreiung konnte aus verschiedenen Gründen erteilt werden, wie Unentbehrlichkeit in der Kriegsindustrie, Arbeit bei der Jüdischen Raad oder Besitz eines Passes eines befreundeten Staates. Oben rechts auf der Karte gibt es Klarheit, 14/90028. Juden, die für die Jüdische Raad arbeiteten, hatten Sperrnummern von 80.000 bis 100.000; das waren 17.498 Menschen (2).
Anna arbeitete für die Jüdische Raad und in der Kindertagesstätte gegenüber der Hollandsche Schouwburg. Die Kindertagesstätte, die sich an der Plantage Middenlaan 31 befand, wurde von Henriëtte Pimentel (3) geleitet. Zusammen mit Walter Süskind (4), dem Verwalter der Hollandsche Schouwburg, und Felix Halverstad wurde eine Methode entwickelt, um die Kinder entkommen zu lassen. Die Krankenschwestern spielten dabei eine wichtige Rolle (5).
(1) Website Joods Monument Zaanstreek
(2) Schutz, Raymond Vermoedelijk op transport, pagina 114
(3) Henriëtte Pimentel
(4) Walter Süskind
(5) Joodse kinderen gered uit de crèche