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Gerhard im Konzentrationslager Buchenwald

Gerhard und die anderen Gefangenen kommen im Durchgangslager Drancy nordöstlich von Paris an. Auf dem Innenhof blickt SS-Hauptsturmführer Alois Brunner sie verächtlich an und erklärt, dass sie Geiseln seien. Am nächsten Tag werden sie nach Buchenwald deportiert, wo "Terroristen" eine spezielle Behandlung erfahren werden. Gerhard sieht ausgezehrte Gefangene hinter den Fenstern, die sie mitleidig ansehen.

Der Marsch nach Bobigny: Blicke voller Mitleid und Angst
Am nächsten Morgen werden 51 Gefangene unter strenger Bewachung in Reihen aufgestellt und gezwungen, zu Fuß zum Bahnhof Bobigny zu marschieren. Während sie durch die Straßen von Paris ziehen, werfen ihnen Passanten Blicke zu – einige voller Mitleid, andere abgewandt aus Angst.

Quelle: https://picryl.com gemeinfrei Chaos am Bahnhof: Vorbote der nahenden Alliierten
Am Bahnhof herrscht Chaos. Deutsche Truppen ziehen sich zurück, was für Gerhard ein Zeichen dafür ist, dass die Alliierten nahe sind. Er sieht Waggons, die mit Flugabwehrgeschützen und schwerer Artillerie beladen sind – ein Hinweis darauf, dass die Nazis versuchen, ihr Material zu retten. An einem Güterwaggon erwartet Brunner sie. Auf den Waggon ist mit Kreide "Jüdische Terroristen" geschrieben, was Gerhard als eine bittere Form der Anerkennung empfindet. Brunner erklärt sie erneut zu Geiseln und droht mit Exekution bei Fluchtversuchen.

Widerstand im Zug: Die ersten Fluchtpläne
Während sich der Zug in Bewegung setzt, beginnen die Widerstandskämpfer sofort nach Fluchtmöglichkeiten zu suchen. Maurice Margulies wird als Anführer der Gruppe bestimmt.

Paris brennt: Hoffnung und Angst
Nach einigen Stunden färbt eine rote Glut den Himmel über Paris. Es scheint Brände und Explosionen zu geben, möglicherweise Kämpfe oder Sabotageakte des Widerstands. Der Zug bleibt jedoch unbeweglich stehen, was die Hoffnung weckt, dass die Alliierten nahe sind. Doch diese Hoffnung schwindet schnell, als die Lokomotive erneut pfeift und der Zug langsam in Bewegung gerät. In dem Wissen, dass ihre Zeit begrenzt ist, setzen die Widerstandskämpfer ihren Fluchtplan in Gang. Sie beginnen, eine Öffnung in die Seitenwand zu sägen, entschlossen, bei der ersten Gelegenheit zu fliehen.

Luftangriff bei Laon: Hoffnung auf Flucht wächst
Nicht viel später heult der Luftalarm und der Zug wird erneut angegriffen. Alliierte Flugzeuge tauchen hinab und eröffnen das Feuer. Die Lokomotive wird getroffen, und während die Gefangenen sich auf den Boden drücken, hallen Explosionen durch die Nacht. Nach dem Angriff ist die Lokomotive unbrauchbar. Die Deutschen organisieren hastig eine Ersatzlokomotive, aber durch die Umstellung der Waggons befindet sich der Gefangenenwagen nun ganz hinten. Dieses Bewusstsein gibt ihnen neue Hoffnung – wenn sie eine Chance zur Flucht bekommen, ist sie nun größer denn je.

Flucht aus dem Zug
Während eines schweren Gewitters verlangsamt sich der Zug auf 15–20 km/h. Margulies ergreift seine Chance und springt durch ein Loch im Waggon, woraufhin andere französische Gefangene ihm ohne Ordnung oder Planung folgen. Die niederländischen Gefangenen protestieren, doch die Franzosen kümmern sich nicht darum. Während bereits 26 Personen entkommen sind, fallen plötzlich Schüsse und der Zug kommt kreischend zum Stillstand. Die überraschten Gefangenen stolpern übereinander. Kurz darauf öffnen bewaffnete Soldaten die Schiebetür und entdecken das Loch im Waggon. Brückler trifft ein und reagiert wütend auf die Flucht.
Am 25. August 1944 erreichen sie Buchenwald.

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Buchenwald - ein Konzentrationslager in der Nähe von Weimar

Buchenwald war ursprünglich nicht als Vernichtungslager gedacht, entwickelte sich jedoch ab 1944 zunehmend zu einem Ort des Massensterbens. Die Anzahl der Gefangenen stieg rasant an: Während das Lager Anfang 1944 etwa 50.000 Gefangene zählte, waren es gegen Ende des Jahres mit seinen Außenlagern bereits mehr als 80.000.
Besonders mit den Transporten aus den östlichen Lagern wie Auschwitz und Groß-Rosen, die aufgrund des Vormarsches der Roten Armee evakuiert wurden, trafen immer mehr Menschen ein – oft völlig erschöpft und schwer krank.
Die Gefangenen waren in überfüllten Baracken untergebracht, die nur für einen Bruchteil dieser Anzahl ausgelegt waren. Hunger, Krankheiten und mangelnde Hygiene bestimmten den Alltag.
Gustloff-Fabrik bei KZ Buchenwald Die schlimmsten Zustände herrschten im sogenannten "Kleinen Lager", einer Quarantänezone mit fensterlosen Pferdeställen, in denen Tausende Menschen unter unmenschlichen Bedingungen überleben mussten. Viele starben dort an Dysenterie, Typhus und Unterernährung.

Am 24. August 1944, einen Tag bevor Gerhard im Lager ankam, bombardierten alliierte Bomber die Waffenfabriken im Hauptlager und zerstörten einen großen Teil davon. Auch Gefangene wurden verletzt oder getötet. In meinem Buch arbeitet Gerhard in der Gustloff-Fabrik und ist dort mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Überlebende Gefangene mussten die Schäden beseitigen und die Produktion fortsetzen.
Die Gustloff-Fabrik in Buchenwald war eine Waffenfabrik, in der Gefangene unter Zwang an der Herstellung unter anderem der MP 40-Maschinenpistolen arbeiteten. Die Arbeitsbedingungen waren extrem hart, mit langen Arbeitszeiten, Unterernährung und Misshandlungen.

Gerhard in Mittelbau-Dora
Im Oktober 1944 wurden Hunderte Gefangene aus dem Konzentrationslager Buchenwald nach Mittelbau-Dora verlegt, einem Lager, das als Zentrum für die Waffenproduktion der Nazis diente. Unter ihnen war auch Gerhard Sperber sowie Ernst Asscher, der plötzlich auf Transport gesetzt wurde. Sie wussten kaum, was ihn erwartete, doch bald wurde klar, dass die Bedingungen in Mittelbau-Dora noch härter waren.
Der Grund für diese Verlegung lag im steigenden Bedarf an Zwangsarbeitern für die Produktion der gefürchteten V2-Raketen. In den unterirdischen Tunneln der Mittelwerk-Fabriken wurden Gefangene unter unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen. Die Luft war erstickend, die Tage endlos und die Misshandlungen gnadenlos. Auch Gerhard wurde, wie viele andere, für schwere Arbeiten eingesetzt, die viele aufgrund von Erschöpfung, Krankheit oder Misshandlung nicht überlebten.
Mehr über Mittelbau-Dora auf der Seite Dora

Weitere Informationen

(1) Am 7. November 1920 wurde Gerhard Sperber in Berlin geboren. Er war jüdischer Herkunft und hatte keine offizielle Staatsangehörigkeit, wodurch er als staatenlos galt. Vor dem Krieg lebte er in Paris, in der Rue von le Roi 1, zusammen mit seiner Frau Henrietta Sperber.
Am 25. August 1944 wurde Gerhard vom BDS (Sicherheitsdienst in Paris) verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Der Grund für seine Inhaftierung wurde als "staatenlos/Jude" registriert, ein Stempel, der für viele in dieser Zeit den Beginn einer unmenschlichen Tortur bedeutete.
Sein Aufenthalt in Buchenwald war jedoch von kurzer Dauer. Später, wie aus dem großen roten Text auf seiner Häftlings-Personal-Karte ersichtlich, wurde er nach Mittelbau-Dora verlegt. Dieses Lager war für die extrem harte Zwangsarbeit in den unterirdischen Fabriken der V2-Raketen berüchtigt. Die Gefangenen, darunter auch Gerhard, wurden unter schrecklichen Bedingungen in den Mittelwerk-Tunneln eingesetzt, wo viele an Erschöpfung, Krankheit oder Misshandlung starben.
Die Karte enthält keine weiteren Informationen über seinen körperlichen Zustand oder den Verlauf seiner Gefangenschaft, wurde jedoch in den Archiven des Internationalen Suchdienstes (I.T.S.) aufbewahrt, einer Organisation, die Dokumente über Holocaust-Opfer und Überlebende sammelte.


(2) Bei seiner Ankunft im Konzentrationslager Buchenwald hatte Gerhard Sperber einige persönliche Gegenstände dabei, die in Verwahrung genommen wurden. Zu den registrierten Kleidungsstücken gehörten ein Paar Schuhe oder Stiefel, Socken, zwei Hemden und eine Unterhose.
Zusätzlich besaß er einige Wertgegenstände, darunter eine Taschenuhr (gelb/weiß) mit Kette, eine Armbanduhr (gelb/weiß) mit Leder- oder Metallband und einen Ehering aus gelbem Material. Die Besitztümer wurden offiziell im Effekten-Verzeichnis, dem Inventardokument für persönliche Gegenstände von Häftlingen, festgehalten.

(3) Auf der Wikipedia-Seite "Deportationen von Juden aus Frankreich" wird erwähnt, dass am 17. August 1944 ein Transport mit 51 Personen nach Buchenwald ging, von denen 31 die Deportation überlebten. Dies war der Zug, mit dem Gerhard, als "jüdischer Terrorist" gebrandmarkt, nach Deutschland gebracht wurde. Insgesamt wurden 73.853 Juden aus Frankreich deportiert. Paula Kaufmann, die ebenfalls in diesem Zug saß, bestätigte nach dem Krieg, dass Gerhard sich im Waggon befand.


Links zu verschiedenen Archiven / Websites

  • Gedenkstätte Buchenwald (D)
  • KZ Buchenwald Wikipedia (D NL)
  • Gedenkstätte Buchenwald - Kulturstadt Weimar (D)
  • Gustloff-Werk II (D)
  • YouTube: Die roten Kapos von Buchenwald (D)
  • YouTube: Das Leben eines Häftlings KZ-Buchenwald Dokumentation (D)
  • Timeline of deportations of French Jews to death camps

  • Literatur

  • Kassenborck, K. NANNO Onderduiker im Rettungswisrstand Heidelberg 2022 ISBN 978-3-95505-334-5 (D)
  • Chaigneau, J.F. Le Dernier Wagon Paris 1981 ISBN 2-7242-1295-9
  • Fransecky von, T. Flucht von Juden Aus Deportationszügen in Frankreich, Belgien und den Niederlanden Berlin 2014 ISBN 978-3-86331-168-1
  • Hackett, D.A. Der Buchenwald-Report 2023 ISBN 978-3-406-81168-5