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Gerhard Bertold Sperber

Gerhard wurde am 7. November 1920 in Berlin geboren. Über seine Jugend in Berlin konnte ich nichts finden. Seine letzte Adresse war die Neue Königstrasse 78 in Berlin Schöneberg. Er war der Sohn von Karl Sperber und Johanna Sperber-Juris, geboren am 22. November 1886 in Berlin, gestorben am 2. März 1943 in Auschwitz. Von Karl Sperber konnte ich kein Geburts- und Todesdatum finden.

Mein Buch beginnt mit Gerhard Sperber, nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler am 30. Januar 1933. Ab diesem Tag änderte sich alles für die Juden in Deutschland. Obwohl schätzungsweise nur 525.000 Juden in Deutschland lebten, was etwa 0,8 % der gesamten deutschen Bevölkerung ausmachte, wurden sie zum Ziel zunehmender Diskriminierung, Ausgrenzung und hatten eine unsichere Zukunftsperspektive.

Nach der Machtergreifung wurden jüdische Kinder und Jugendliche mit systematischer Ausgrenzung aus dem öffentlichen Leben konfrontiert. Sie wurden oft in Schulen diskriminiert, von Mitschülern beschimpft und mit Erniedrigung durch Lehrer konfrontiert, die die nationalsozialistische Ideologie vertraten. 1936 und 1937 begannen jüdische Kinder massiv aus öffentlichen Schulen ausgeschlossen zu werden. Viele jüdische Jugendliche gingen anschließend auf speziell eingerichtete jüdische Schulen, die eine sichere Umgebung boten und ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit förderten.

Nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden viele Juden verhaftet und unter anderem ins Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht. In den Wochen nach der Pogromnacht trafen etwa 6.000 jüdische Gefangene im Lager ein. Sie wurden unter erbärmlichen Bedingungen festgehalten. Es sollte die jüdische Bevölkerung weiter einschüchtern und unter Druck setzen, Deutschland zu verlassen. Viele Gefangene erhielten die Zusage, dass sie freigelassen würden, wenn sie ihre Emigrationspapiere regelten und auf ihr Eigentum verzichteten.

In meinem Buch lasse ich Gerhard in Sachsenhausen einsperren, um dem Leser einen Einblick in Konzentrationslager vor dem Krieg in Deutschland zu geben. Die Realität ist, dass der Aufenthalt und die Misshandlungen in diesen Lagern oft schlimmer waren, als wir uns vorstellen können. Das Leiden in diesen Lagern, besonders während des Krieges, geht über unsere Vorstellungskraft.

Auch für Gerhard war die Reichspogromnacht wahrscheinlich der Anlass, Deutschland zu verlassen. Da er bereits 18 Jahre alt war, kam er nicht für ein sogenanntes Kindertransport in Frage. In meiner Erzählung lasse ich ihn illegal in die Niederlande einreisen. Am 13. Februar 1939 kommt er im Werkdorp in der Wieringermeer an.

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Gerhard Bertold Sperber

Dies ist die Registrierungskarte von Gerhard, die von der Jüdischen Raad in Amsterdam erstellt wurde. Das Kartenarchiv der Jüdischen Raad in Amsterdam bestand aus fast 160.000 Personenkarten. Diese Karten enthalten persönliche Informationen über jüdische Einwohner der Niederlande und Ausländer, die während der Besatzung in den Niederlanden lebten. Die Karten entstanden als administratives Instrument während der Judenverfolgung und wurden nach dem Krieg verwendet, um festzustellen, was mit jeder einzelnen Person während des Zweiten Weltkriegs passiert ist. Was steht auf der Karte von Gerhard?

Gerhard Sperber Karte Joodsche Raad Amsterdam Links oben seinem Namen: Sperber, Gerhard Israel, wobei Israel rot durchgestrichen ist und sein zweiter Name 'Bertold' hinzugefügt wurde. Die Deutschen fügten den Namen Israel hinzu, um Diskriminierung und Ausschluss zu bewirken. Das Ziel war es, jüdische Menschen deutlich von nicht-jüdischen Menschen zu unterscheiden und sie dauerhaft zu stigmatisieren. Nach dem Krieg wurde der Name durchgestrichen.

Auf der Karte steht die Adresse Deurloostraat 80 in Amsterdam, die erste Adresse, an der er zusammen mit Anna wohnte. Dies hatte mit der 'Sperre' zu tun, die er durch seine Ehe mit Anna erhalten hatte und die ihn vorübergehend vor der Deportation schützte.

Die Freistellung konnte aus verschiedenen Gründen gewährt werden, wie zum Beispiel der Unverzichtbarkeit in der Kriegsindustrie, Arbeit bei der Jüdischen Raad und deren Familienangehörigen oder dem Besitz eines Passes eines befreundeten Staates. Oben rechts auf der Karte steht die Nummer 14/90027. Juden, die für die Jüdische Raad arbeiteten, hatten Sperre-Nummern von 80.000 bis 100.000; das waren 17.498 Menschen. Interessant finde ich, dass Gerhard die Nummer 90027 und Anna die Nummer 90028 hat. Anscheinend hat Anna die 'Sperre' für sie beide zusammen beantragt.

Die unten stehende Registrierungskarte von Gerhard aus der Stadt Amsterdam ist ein '2. Exemplar'. Ein anderes Exemplar konnte ich nicht finden. Am 28. November wird er in der Deurloostraat in Amsterdam registriert. Anna war bereits am 11. August 1942 an dieser Adresse registriert, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass Gerhard nun auch eine 'Sperre' hatte und sich in Amsterdam sicherer fühlen konnte. Auf der Karte steht, dass er aus Almelo kam. Er wohnte dort mit anderen Chawerim (1) in der Werfstraat 11. Das Lagerhaus von Gottschalk dient schon seit einigen Jahren als Unterkunft für jüdische palästinensische Pioniere, die in der Umgebung bei Bauern arbeiteten. Erst am 27. November 1947 wird vermerkt, dass er unbekannt abgereist ist (VOW vertrokken onbekend waarheen).

(1) Chawerim" (alternativ als "Chaverim" geschrieben) ist ein hebräisches Wort, das "Freunde" bedeutet.

  • Gerhold Sperber Werkdorp Wieringermeer
  • Weitere Informationen

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    Links zu verschiedenen Archiven

  • Joods Werkdorp Wieringermeer
  • Personenkarte Kartothek Joodsche Raad Amsterdam
  • Gerhold Sperber Werkdorp Wieringermeer

  • Literatur

  • Cornelissen, C.B. Onvoltooid Verleden Tijd - Jodenvervolging in Almelo, Oldenzaal 2006 ISBN 90-6693-099-3
  • Wasserstein, Bernard Gertrude van Tijn en het lot van de Nederlandse Joden, Amsterdam 2013 ISBN 978 90 468 1435 2
  • Stegeman, H.B.J. en Vorsteveld, J.P. Het Joodse werkdorp in de Wieringermeer 1934 - 1941, 1983 Amsterdam ISBN 90 6011 150 8
  • Morsch, Günter en Ley, Astrid Das Konzentrationslager Sachsenhausen 1936-1945, 2011 Berlin ISBN 978 3 938690 80 2
  • Kogon, E. Der SS-Staat - Das System der Deutschen Konzentrationslager, Mannheim 1946 ISBN 978-3-89942-773-8
  • Mechanicus, P. In Depot - Dagboek uit Westerbork, Laren ISBN-10 9074274218 ISBN-13 78-9074274210
  • Presser, J. Ondergang - De vervolging en verdelging van het Nederlandse jodendom 1940 - 1945, Den Haag 1985 EAN 2200103863672